Beratung
Unterrichtsbesuch, Nachbesprechung, PoB-C und Perspektivgespräche: Was Sie erwartet, wie Sie sich vorbereiten und was Sie aus den Gesprächen mitnehmen können.
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Beratung im Vorbereitungsdienst
Im Vorbereitungsdienst werden Sie auf mehreren Wegen begleitet. Sie haben unterschiedliche Aufgaben, und nicht alle werden bewertet. Diese Seite zeigt, wie das im Kernseminar aussieht. Grundlage ist die OVP vom 7. Januar 2026.
Übrigens: Sie können jederzeit bei Ihren Seminarausbildenden und Ihrer Schulleitung Auskunft über Ihren Ausbildungsstand erhalten (§ 11 Abs. 6 OVP).
Unterrichtsbesuch (UB)
Sie planen und halten eine Stunde, danach folgt ein Beratungsgespräch mit Ergebnisprotokoll. In der Regel besuchen Sie Ihre Fachleitungen insgesamt zehnmal; das Kernseminar besucht Sie ebenfalls und begleitet bewertungsfrei.
Perspektivgespräche (PG)
Zwei Gespräche zur Standortbestimmung: im ersten und im vierten Quartal der Ausbildung. Sie planen und führen sie selbst.
PoB-C
Personenorientierte Beratung mit Coaching-Elementen: ein Einzelgespräch zu einem Anliegen, das Sie mitbringen. Bewertungsfrei, ohne „Zwang zum Problem“.
Supervision in der Gruppe
Die Kernseminargruppe macht Angebote zu einem Fall, aus denen die fallgebende Person auswählt. Ohne Bewertung der Vorschläge.
Portfolio
Ein Angebot zur Reflexion und Dokumentation Ihrer eigenen Entwicklung. Es dient Ihnen selbst und wird nicht bewertet.
Professionelle Lerngemeinschaften (PLG)
Kleine Gruppen von LAA, die gemeinsam an Fragen ihres Unterrichts arbeiten. Sie gehören laut OVP zur Ausbildung und treffen sich ab Februar 2027 alle zwei Wochen in der Zeit des Kernseminars.
Ihr Weg durch die 18 Monate
Vereinfachte Darstellung nach der OVP vom 7. Januar 2026 (§§ 11, 12, 13, 17, 33). Im ersten Quartal liegen auch die Hospitationen bei Ihren Seminarausbildenden. Die genauen Termine legen ZfsL und Schule fest. Den Zeitstrahl Ihres Jahrgangs mit Terminen, Fristen und einer Liste zum Abhaken finden Sie unter Mein Ausbildungsweg.
Chance statt Angriff
Nehmen Sie die Nachbesprechungen als individuelle Beratung auf dem Weg zur Professionalisierung Ihres Lehrerhandelns wahr, nicht als Angriff auf Ihre Persönlichkeit. Ausbilderinnen und Ausbilder wollen Sie in der Regel zu reflektiertem, selbstständigem Unterricht anregen, der fachlich korrekt und den aktuellen Vorgaben entsprechend durchgeführt wird. Das ist nicht immer deckungsgleich mit dem Alltagsunterricht, den Sie sonst erleben. In Ihrer Fahrprüfung sind Sie auch nicht so Auto gefahren wie auf dem Weg dorthin.
Was das Kerncurriculum dazu sagt
Die Konkretionen zur Beratung und Reflexion finden Sie im Kompass: U8 Unterricht reflektieren · B5 Eigene Coaching-Erfahrungen nutzen · B6 Beratungssituationen reflektieren · S1 Haltungen reflektieren · S5 Feedback und kollegiale Beratung.
Vor dem Unterrichtsbesuch
Ein Unterrichtsbesuch ist eine Lerngelegenheit, keine Prüfung des Kernseminars. Wer sich vorher drei Dinge klärt, geht ruhiger in die Stunde und bekommt mehr aus dem Gespräch danach.
- In Ihren beiden Fächern finden in der Regel insgesamt zehn Unterrichtsbesuche der Fachleitungen statt. Sie dienen der Anleitung, Beratung und Unterstützung. Auch die Seminarausbildenden des Kernseminars sollen Sie im Unterricht besuchen.
- Die Termine werden mit Ihnen abgestimmt. Der Unterricht ist eine authentische Situation in Ihrer Lerngruppe; Sie können einem Beratungsanliegen folgend eigene Schwerpunkte setzen.
- Ab dem dritten Besuch je Fach legen Sie eine höchstens fünfseitige Planung vor, wenn der Besuch mindestens drei Werktage vorher terminiert war: Analyse der Lernausgangslage, Lernziele, geplanter Verlauf mit den zentralen lernwirksamen Entscheidungen in Didaktik und Methodik, dazu Ihre Einbindung in die Zusammenarbeit in kollegialen Gruppen.
- Nach jedem Besuch folgt ein Beratungsgespräch. Wesentliche Inhalte und konkrete Entwicklungsziele werden gemeinsam in einem Ergebnisprotokoll festgehalten.
- Nach dem dritten Besuch je Fach gibt es eine erweiterte Rückmeldung zu Ihrem gesamten Ausbildungsstand mit einem Notenbereich; ab dem vierten Besuch wird jeweils ein Notenbereich genannt. Einzeln benotet werden Unterrichtsbesuche nicht. Die Besuche aus dem Kernseminar kommen ohne Notenbereich aus.
- 1. und 2. Besuch je Fach: Unterrichtsskizze mit dem Thema der Stunde, Lernziel(en), Verlaufsplan sowie angestrebten Ergebnissen und Material. Sie gibt einen kurzen Überblick über Planung und Durchführung.
- Ab dem 3. Besuch: schriftliche Unterrichtsplanung von höchstens fünf Seiten DIN A4 in 12-Punkt-Schrift; Deckblatt und Anhang zählen nicht mit.
- Verbindliche Bestandteile der Planung: Thema, geplanter Verlauf, Analyse der Lernausgangslage, Begründung der zentralen lernwirksamen Entscheidungen in Didaktik und Methodik, gegebenenfalls Ihre Einbindung in die Zusammenarbeit kollegialer Gruppen, Quellen- und Literaturverzeichnis, im Anhang angestrebte Ergebnisse und Material. Die angestrebten Lernziele nennt die OVP ausdrücklich (§ 12 Abs. 3).
- Formatvorlage (Anlage C der Vereinbarung): Deckblatt mit Angaben zu Schule, Lerngruppe und Ausbildenden, dann Thema, angestrebte Lernziele, geplanter Verlauf (Tabelle), angestrebte Ergebnisse, Lernausgangslage, Begründung, Quellen und Anhang. Die Fachseminare können sie anpassen.
- Ins Quellenverzeichnis gehört alles, was Sie für die Planung genutzt haben: Kernlehrplan, schulinterner Lehrplan, Lehrwerke, Literatur, Internetseiten und auch KI-Prompts.
1. Was soll der Besuch sehen?
2. Wozu wünschen Sie Beratung?
- Formulieren Sie vorab zwei Beratungsfragen, z. B. „Wirkt mein Einstieg?“ oder „Wie gehe ich mit der Unruhe in der Erarbeitung um?“.
- Sagen Sie, was Sie selbst schon als schwierig erwarten. Das entlastet.
- Beratungsschwerpunkte sammeln Sie später gemeinsam (Schritt 3).
3. Was tun Sie, wenn es anders läuft?
- Welche Phase ist am riskantesten? Was ist Ihr Plan B?
- Ist das Material vollständig, funktioniert die Technik, steht der Raum?
- Direkt nach der Stunde: drei Stichworte zum ersten Eindruck notieren. So ist Schritt 1 vorbereitet.
Woran Unterrichtsanalysen häufig ansetzen
Die Bezirksregierung Arnsberg hat in einem Leitfaden vier Bedingungen und zehn Merkmale gelingenden Unterrichts beschrieben, ausdrücklich auch als Grundlage für Unterrichtsanalyse und Unterrichtsnachbesprechungen. Gehen Sie Ihre Stunde vorab durch die Merkmale, nicht als Prüfraster, sondern um zwei Beratungsfragen zu finden.
Häufige Stolpersteine
AnregungIch plane die perfekte Stunde, damit nichts zu beanstanden ist.
Ich plane eine Stunde, die zu meiner Lerngruppe passt, und benenne zwei Punkte, zu denen ich Rückmeldung möchte.
- Perfektion ist nicht erreichbar, und sie nimmt der Beratung den Gegenstand.
- Sie planen für den Besuch statt für Ihre Lerngruppe.
- Die Stunde ist alltagstauglich und beschreibbar.
- Ihre Fragen lenken das Gespräch auf das, was Sie weiterbringt.
Ich hoffe, dass die Nachbesprechung kurz wird.
Ich gehe mit zwei Beratungsfragen und einem ersten Eindruck in das Gespräch.
- Sie lassen das Gespräch über sich ergehen, statt es mitzugestalten.
- Ihre eigenen Fragen kommen nicht vor.
- Sie haben einen Anfang (erster Eindruck) und eine Richtung (Fragen).
- Sie nutzen das Gespräch für sich.
Die Nachbesprechung in sechs Schritten
Handout zum Ausdrucken (eine Seite) →
Die Nachbesprechung nach einem Unterrichtsbesuch folgt einem festen Ablauf, so wie er im Kernseminar besprochen wird. Sie zeigt, wann welche Frage dran ist, und welche Rolle Sie haben. Schritt 1 und 3 bereiten Sie selbst vor.
- 1Erster Eindruck
- 2Eindrücke der Beteiligten
- 3Schwerpunkte sammeln
- 4Schwerpunkte besprechen
- 5Fazit und Ziele
- 6Metakommunikation
1Erster Eindruck durch Sie
Was geschieht: „Formulieren Sie Ihren ersten Eindruck zur Stunde.“ Dieser Schritt dient Ihrer Entlastung. Es wird noch keine differenzierte Kritik erwartet, weil Sie noch wenig zeitliche Distanz zur Stunde haben.
Mögliche Leitfragen:
- Wie zufrieden bin ich mit der Stunde?
- Was haben die Schülerinnen und Schüler heute gelernt?
- Habe ich meine Unterrichtsziele erreicht? Bis zu welchem Punkt?
- An welchen Stellen klaffen Planung und tatsächlicher Verlauf auseinander?
Ich zähle auf, was alles nicht geklappt hat, bevor jemand fragt.
„Mit dem Einstieg bin ich zufrieden. Die Sicherung war zu knapp. Die Lernenden konnten X, bei Y bin ich nicht sicher.“
- Sie nehmen dem Gespräch die Offenheit und sich selbst die Entlastung.
- Die Liste bleibt ohne Bezug zum Ziel.
- Ausgewogen und konkret.
- Bezug zum Ziel und zu dem, was die Lernenden gezeigt haben.
2Eindrücke der Beteiligten
Was geschieht: Die Beteiligten (Seminarausbildende aus Fach- oder Kernseminar, Ausbildungsbeauftragte, Ausbildungslehrkraft, Schulleitung) äußern ihre Eindrücke zur Stunde. Das Positive kann an dieser Stelle durchaus erläutert werden, die kritischen Aspekte (mit Blick auf Schritt 3 und 4) sollen noch nicht ausführlich diskutiert werden.
Ihre Rolle: Zuhören, mitschreiben, bei Unklarem nachfragen.
Ich rechtfertige mich sofort bei jeder Rückmeldung.
Ich notiere mit, frage bei Unklarem nach und erkläre erst, wenn ich dran bin.
- Jede Rückmeldung wird zum Streitpunkt.
- Die nächste Rückmeldung hören Sie nicht mehr in Ruhe an.
- Sie sammeln erst, bevor Sie bewerten.
- Fragen klären, ohne zu verteidigen.
3Beratungsschwerpunkte sammeln
Was geschieht: Sie sammeln Beratungsschwerpunkte, die dann von den Seminarausbildenden ergänzt werden können. Gegebenenfalls einigen Sie sich auf eine bestimmte Abfolge der Schwerpunkte.
Ihre Rolle: Bringen Sie eigene Fragen mit – am besten die zwei, die Sie schon vor der Stunde formuliert haben.
Ich warte ab, welche Punkte die anderen nennen.
Ich bringe zwei eigene Beratungsschwerpunkte mit und sage, was ich mir davon erhoffe.
- Das Gespräch dreht sich um die Sicht der anderen.
- Ihre Fragen bleiben unbeantwortet.
- Das Gespräch orientiert sich an Ihnen.
- Die Erwartung macht es leichter, das Ergebnis zu prüfen.
4Besprechung der Beratungsschwerpunkte
Was geschieht: Die Beratungspunkte werden nacheinander besprochen, dabei werden für die vorliegende Unterrichtssituation Alternativen entwickelt. Sie suchen die Ursachen bestimmter Schwierigkeiten, etwa durch Sachanalyse, Schwerpunktsetzung, Stimmigkeit.
Ihre Rolle: Mitdenken, Alternativen ausprobieren, Ursachen benennen. Die Merkmale gelingenden Unterrichts helfen, Ursachen zu finden: Passte das Ziel zur Methode? War der Lernprozess für die Lernenden durchschaubar?
„Das musste so sein, die Klasse ist eben schwierig.“
„Woran lag es, dass die Erarbeitung stockte? Was hätte ich mit dieser Gruppe anders machen können?“
- Die Ursache liegt bei anderen.
- Es entsteht keine Alternative.
- Sie suchen Ursachen im eigenen Einflussbereich.
- Die Frage führt zu Alternativen für die konkrete Gruppe.
5Fazit und Ausbildungsvereinbarungen
Was geschieht: Stärken und Schwächen werden deutlich benannt, um Problembewusstsein und Weiterentwicklung zu ermöglichen. Ausbildungsvereinbarungen werden getroffen. Die wesentlichen Inhalte und konkreten Entwicklungsziele halten Sie gemeinsam in einem Ergebnisprotokoll fest (§ 12 Abs. 4 OVP).
Mögliche Leitfragen:
- „Was ist für Ihre Ausbildung in den nächsten Wochen maßgeblich?“
- „Wie sieht Ihr unterrichtlicher Einsatz in den nächsten Wochen aus?“ / „Wo sehen Sie besondere Möglichkeiten, die hier festgelegten Beratungsschwerpunkte umzusetzen?“
„Ich nehme mir vor, alles besser zu machen.“
„Bis zum nächsten Besuch probiere ich in zwei Stunden den Einstieg mit einer Leitfrage aus und hole mir dazu Rückmeldung von meiner Ausbildungslehrkraft.“
- Nicht überprüfbar.
- Zu groß für die Zeit bis zum nächsten Termin.
- Konkret, klein und mit Termin.
- Jemand außer Ihnen weiß davon und kann nachfragen.
6Metakommunikation
Was geschieht: Sie schauen auf das Gespräch selbst.
- Ist der Unterricht genügend gewürdigt worden?
- Gibt es Unklarheiten?
- Hilft die Nachbesprechung auf dem weiteren Weg der Professionalisierung?
Ich sage nichts, um niemanden zu verärgern.
„Ich habe mich im zweiten Teil gut beraten gefühlt. Zum Fazit ist mir noch etwas unklar.“
- Das Gespräch bleibt für Sie so, wie es war.
- Unklarheiten nehmen Sie mit.
- Sie geben Rückmeldung zur Beratung selbst.
- Unklares wird geklärt, solange alle da sind.
Mein Notizblatt zur Nachbesprechung
Zum Vorbereiten und Mitschreiben. Es wird nichts gespeichert und nichts übertragen. Sie können das Blatt als PDF oder als Textdatei sichern. Bitte keine Namen von Schülerinnen und Schülern eintragen.
PoB-C und Supervision
Neben den Unterrichtsbesuchen gibt es Gesprächsformate, in denen Sie selbst bestimmen, worüber Sie sprechen. Sie sind bewertungsfrei. Probieren Sie es ruhig aus, die Rückmeldungen dazu sind in der Regel sehr positiv.
PoB-C: personenorientierte Beratung mit Coaching-Elementen
Personenorientierung bedeutet die Orientierung an einem Menschenbild, das auf Stärkung und Entwicklung von Ressourcen ausgerichtet ist. PoB-C ist eine besondere Form personenorientierter Beratung, ähnlich einem Coaching-Gespräch. Coaching heißt, eine andere Person zu unterstützen, ein Problem aus einer anderen Perspektive zu sehen, selbst neue Lösungen zu finden und sich persönlich weiter zu entwickeln. Es gibt keinen „Zwang zum Problem“: Sie entscheiden, ob und womit Sie kommen.
Ratschläge und Angebote
Jeder Mensch löst Probleme auf seine eigene Weise. Ratschläge von Dritten sind gut gemeint, passen aber häufig nicht und werden als „Rat-Schläge“ wahrgenommen. In der Supervision macht die Gruppe deshalb Angebote, aus denen die fallgebende Person individuell etwas auswählen kann. Im Coaching unterstützt die beratende Person die ratsuchende Person im Einzelgespräch, selbst Probleme zu lösen.
Mögliche Anlässe für ein PoB-C-Gespräch
- In der Klasse 9a komme ich überhaupt nicht zurecht.
- Ich komme mit meiner Ausbildungslehrkraft nicht klar.
- Wie schaffe ich ein besseres Lernklima in der Klasse?
- Ich habe gar keine Freizeit mehr, das Referendariat frisst mich auf.
- Jetzt soll ich auch noch eine AG machen. Das ist mir zu viel, aber ich kann doch der Schulleitung nicht absagen.
- Ich schaffe das nicht, ich höre auf. Wie kann es weitergehen?
- Perspektivplanung: Ich möchte gerne Schulleiterin oder Schulleiter werden, wie stelle ich das an?
- Die Anforderungen meiner beiden Fachleitungen sind zu unterschiedlich.
Ein PoB-C-Gespräch nach dem GROW-Modell
Eine geläufige Gliederung eines Coachinggesprächs. Andere Coaching-Modelle nennen und gliedern die Phasen etwas anders. Die Fragen sind Anregungen.
Goal – Ziel
Was möchten Sie am Ende dieses Gesprächs erreicht haben?
Reality – Realität
Wie ist die Lage jetzt? Was läuft schon gut? Was haben Sie schon versucht?
Options – Möglichkeiten
Was könnten Sie tun? Was noch? Was würden Sie einer Freundin oder einem Freund raten?
Will – Wille und Weg
Was tun Sie konkret, bis wann? Woran merken Sie, dass es funktioniert?
Ablauf einer Supervision in der Kernseminargruppe
- Fall schildern. Die fallgebende Person erläutert, worum es geht und was sie als Ergebnis mitnehmen möchte.
- Einzelheiten. Die fallgebende Person gibt wichtige Details zur Klärung.
- Fragen an die fallgebende Person. Die Teilnehmenden stellen Fragen zum Fall bzw. Thema, sie beantwortet sie.
- Ideensammlung. Alle bringen Ideen und eigene Erfahrungen für mögliche Lösungen ein. Die fallgebende Person kann nachfragen, was genau gemeint ist. Keine Bewertung der vorgeschlagenen Lösungen.
- Fazit der fallgebenden Person. Sie beschließt, was sie als Ergebnis für sich mitnimmt: Einsichten, nächste Schritte, Handlungsplan.
- Reflexion der Teilnehmenden. Jede und jeder erläutert, was sie oder er für sich aus dem Fall mitnehmen kann.
Kollegiale Fallberatung im Kernseminar
Neben der Supervision gibt es im Kernseminar mindestens vier verbindliche Fallberatungen, je eine im zweiten bis fünften Quartal; im ersten Quartal lernen Sie Grundlagen und Ablauf an einem Beispiel kennen. Die Moderation wechselt unter den LAA. Fälle werden immer ohne Namen und ohne erkennbare Hinweise besprochen (Datenschutz).
- Fallschilderung. Die fallgebende Person schildert die Situation.
- Verständnisfragen. Die Gruppe fragt nach, um den Fall zu verstehen.
- Hypothesen. Die Gruppe sammelt Vermutungen, was hinter der Situation stecken könnte.
- Beratung. Die Gruppe entwickelt Ideen; die fallgebende Person wählt aus.
- Abschluss. Die fallgebende Person sagt, was sie mitnimmt.
Schwerpunkte im Ausbildungsprogramm
- 2. Quartal: erste Fallberatung nach festem Ablauf
- 3. Quartal: Störungen und Konflikte
- 4. Quartal: didaktisch-methodische Entscheidungen
- 5. Quartal: Beratungs- und Inklusionssituationen
Perspektivgespräche (PG)
Im Vorbereitungsdienst führen Sie zwei Perspektivgespräche: eines im ersten und eines im vierten Quartal der Ausbildung. Sie helfen Ihnen, Ihren Stand zu bestimmen, Ziele zu vereinbaren und Ihre Entwicklung im Blick zu behalten.
- Sie führen die Gespräche mit einer Seminarausbilderin oder einem Seminarausbilder, die Schule ist beteiligt, in der Regel durch Ihre Ausbildungsbeauftragten.
- Auf der Grundlage der Kompetenzen, die Sie schon erworben haben, werden weitere Entwicklungsperspektiven aufgezeigt und die Beiträge aller Beteiligten gemeinsam geplant.
- Sie planen die Gespräche und führen sie. Sie dokumentieren die Ergebnisse in Textform und formulieren Ziele für Ihren Professionalisierungsprozess; die anderen können die Dokumentation ergänzen.
- Eine Note gibt es nicht. Die Entwicklungsperspektiven werden im Verlauf der Ausbildung fortgeschrieben.
Die folgenden Anregungen stammen aus den Unterlagen zum früheren Eingangs- und Perspektivgespräch (EPG) und aus den Portfolio-Einlagen des Landes. Sie sind Hilfen zur Vorbereitung; verbindlich ist § 17 OVP.
Erstes Perspektivgespräch (erstes Quartal)
Es geht um Ihre Ausgangslage, um die Kompetenzen, die Sie mitbringen, und um Perspektiven, die alle an Ihrer Ausbildung Beteiligten gemeinsam umsetzen wollen.
Ziele
- Klärung der Kompetenzen, die Sie für Ihren Beruf bereits mitbringen, und derer, die Sie noch benötigen
- Abgleich von Selbst- und Fremdeinschätzung im Blick auf die konkrete unterrichtliche Tätigkeit, die gemeinsam erlebt wurde
- Entwicklung von Perspektiven, die alle an der Ausbildung Beteiligten gemeinsam umsetzen wollen
- Formulieren konkreter Ausbildungsziele, kurz- und langfristig
Fragen zur Selbstevaluation
- Was weiß und kann ich schon im Blick auf die Handlungsfelder der Ausbildung?
- Was muss ich noch wissen und können, um den Lehrerberuf erfolgreich auszuüben?
- Wie trete ich vor der Lerngruppe auf? Wie reagieren die Lerngruppen auf mich?
- Wie phasiere ich Unterricht?
- Wie gehe ich mit Störungen um?
- Wie gehe ich mit Heterogenität im Unterricht um?
- Wie geht es mir mit der Planung und Vorbereitung meines Unterrichts?
- Wie bin ich im System Schule angekommen, wie reagieren Kolleginnen und Kollegen auf mich?
Reflexionsanregungen zur Vorbereitung
Professionelles Selbstkonzept
- eigene Lernbiographie
- Stärken und Ressourcen
- Selbsteinschätzung der vorhandenen Kompetenzen
- Lern- und Entwicklungsbedarf
Praxisfeld Schule
- Kontakt zu allen Beteiligten
- Zusammenarbeit mit den Schulausbildenden
- Unterrichtserfahrungen, Planung, Durchführung, Reflexion
- Fragen, Erwartungen, Wünsche, Emotionen
Ausbildungsort ZfsL
- Anknüpfen an Wissen und Erfahrungen
- Kontakt in der Lerngemeinschaft und in Seminaren
- Erwartungen und Herausforderungen
Eigene Zielperspektiven
- Wo stehe ich? Wo will ich hin? Wie gelange ich dorthin?
- Nahe und langfristige Ziele
- Unterstützungserfordernisse
Ziele vereinbaren: SMART
Entwicklungsziele halten Sie schriftlich fest, am besten SMART. Legen Sie fest, welche Handlungsschritte folgen, welche Unterstützung Sie dazu brauchen und wann Sie den Prozess überprüfen.
Ziel: Ich möchte besser mit Störungen umgehen.
Ziel: Bis zu den Herbstferien setze ich in meiner 8b eine Stufenfolge bei Störungen (Blick, Nähe, leise Ansprache) ein und lasse mir in zwei Stunden von meiner Ausbildungslehrkraft Rückmeldung dazu geben.
- Nicht messbar und ohne Termin.
- Niemand kann prüfen, ob es erreicht ist.
- Konkret, mit Gruppe, Zeitraum und Rückmeldung.
- Handlungsschritte und Unterstützung sind benannt.
Zweites Perspektivgespräch (viertes Quartal)
Im vierten Quartal schauen Sie zurück auf Ihre Ziele aus dem ersten Gespräch und nach vorn auf die letzten Monate der Ausbildung und Ihre weitere berufliche Entwicklung.
Die Anregungen lehnen sich an den Bilanzierungsbogen der Portfolio-Einlagen des Landes an (dort für die Abschlussreflexion gedacht).
Rückblick
- auf die zu Beginn gesetzten Ziele und das professionelle Selbstkonzept
- auf die eigene Entwicklung in den Handlungsfeldern
- auf erworbene Qualifikationen, Stärken und Lernbedarfe
- auf die Selbstwirksamkeit (Zuversicht in die eigenen Bewältigungsstrategien)
- auf positives Feedback
Fazit
- Motivation für die Weiterarbeit
- Gelingensbedingungen
- persönliche Einschätzung, Emotionen
Ausblick
- meine Visionen und mein Lehrerleitbild
- relevante Grundsätze beibehalten
- meine berufliche Identität
- Schwerpunkte für das eigene Weiterlernen im Beruf
- Unterstützungsmöglichkeiten
Die Portfolio-Einlagen des Landes (Erprobungsfassung 2013) enthalten Bögen für beide Gespräche. Sie arbeiten noch mit sechs Handlungsfeldern. Im Portfolio können Sie beide Gespräche vorbereiten und Ihre Ziele festhalten; der Kompetenzspiegel dort folgt dem Kerncurriculum 2021.
Professionelle Lerngemeinschaften (PLG)
In einer professionellen Lerngemeinschaft arbeiten einige LAA über längere Zeit zusammen an Fragen ihres Unterrichts: Sie planen gemeinsam, schauen sich gegenseitig zu, werten Schülerarbeiten aus und probieren Neues aus. Im Mittelpunkt steht, was die Schülerinnen und Schüler lernen.
- 1. Quartal: Vorbereitung; die Ergebnisse aus dem ersten Perspektivgespräch bilden die Grundlage für ein erstes Entwicklungskonzept.
- 2. Quartal: Einführung am 1. Februar; Beobachtungen aus dem eigenen Unterricht reflektieren (z. B. Videografie), gemeinsam planen und korrigieren.
- 3. Quartal: Beratungs- und Kommunikationskompetenz vertiefen, Resilienz.
- 4. Quartal: Unterricht mit digitalen Instrumenten evaluieren, didaktisch-methodische Entscheidungen begründen.
- 5. Quartal: Bilanz ziehen und die Prüfung vorbereiten.
- 6. Quartal: Abschlussbilanz, das eigene Rollenverständnis reflektieren.
PLG-Termine 2027/28
Die PLG tagen ab dem 1. Februar 2027 alle zwei Wochen (Woche B, 10:00 bis 10:50 Uhr); Termine in den Ferien entfallen. Die Gruppen wechseln reihum: Kernseminargruppe, dann Schiene A, Schiene B, Schiene C. Bis Ende Januar 2028 hat jede und jeder zehn PLG-Sitzungen im Kernseminar, fünf in der Kernseminargruppe und fünf mit Aufgaben aus dem Kernseminar, und je fünf in den beiden Fachseminaren. Ist die Schiene an der Reihe, in der Sie kein Fachseminar haben, bearbeiten Sie Aufgaben aus dem Kernseminar. Nach der ersten Runde ergänzt ein digitales Themenboard die Gruppen.
Was die OVP sagt
„Professionelle Lerngemeinschaften, in denen Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter zusammenarbeiten, sind Bestandteil dieser Ausbildung und so anzulegen, dass sie sich an der fachlichen und überfachlichen Seminararbeit orientieren. Die Seminarausbilderinnen und Seminarausbilder verantworten die Organisation, Steuerung und Rückkoppelung der professionellen Lerngemeinschaften gemäß dem lehramtsbezogenen Ausbildungsprogramm.“§ 11 Abs. 2 OVP vom 7. Januar 2026
- Die Ausbildungsprogramme der Seminare enthalten konzeptionelle Aussagen zur Arbeit in den PLG und zur kollegialen Fallberatung (§ 16 Abs. 2).
- In Ihren Planungen für Unterrichtsbesuche soll Ihre Einbindung in die Zusammenarbeit in kollegialen Gruppen deutlich werden (§ 12 Abs. 3).
Fünf Merkmale einer professionellen Lerngemeinschaft
Die Schulforschung beschreibt PLG meist mit fünf Merkmalen (nach Bonsen und Rolff 2006). Darunter jeweils, was das für eine Gruppe im Vorbereitungsdienst heißen kann.
Gemeinsame Ziele und Normen
Die Gruppe klärt, woran sie arbeiten will und wie sie miteinander umgeht.
Zum Start: ein gemeinsames Thema und drei Regeln, etwa Vertraulichkeit, Pünktlichkeit, Rückmeldung ohne Bewertung.
Fokus auf das Lernen der Schülerinnen und Schüler
Nicht „Wie war meine Stunde?“, sondern „Was haben die Lernenden gelernt, und woran sehen wir das?“
Schülerarbeiten oder Lernprodukte mitbringen und gemeinsam auswerten.
Unterricht öffnen
Die eigene Praxis wird für andere sichtbar: gegenseitige Hospitationen, geteilte Planungen und Materialien.
Einmal im Halbjahr bei jemandem aus der Gruppe hospitieren, mit einer Beobachtungsfrage, die die besuchte Person stellt.
Reflektierender Dialog
Gespräche, die nachfragen, Begründungen suchen und auch Widerspruch aushalten.
Bei jedem Treffen eine Frage vertiefen, statt viele Themen anzureißen.
Zusammenarbeit
Gemeinsam planen, erproben und auswerten, mit klaren Absprachen und verteilten Aufgaben.
Eine Stunde oder Aufgabe gemeinsam planen, in mehreren Lerngruppen erproben und vergleichen.
Wie ein Treffen aussehen kann Anregung
- Ankommen (5 Minuten). Kurze Runde: Was ist seit dem letzten Treffen passiert? Was haben Sie ausprobiert?
- Frage klären (5 Minuten). Eine Person bringt eine Frage zum Lernen ihrer Lerngruppe mit, möglichst mit Material.
- Gemeinsam hinschauen (20–30 Minuten). Material ansehen, beschreiben, deuten, Ursachen suchen. Die Merkmale gelingenden Unterrichts oder das Kerncurriculum können als Brille helfen.
- Ideen entwickeln (10–15 Minuten). Was könnte man ausprobieren? Die fragende Person wählt aus.
- Verabreden (5 Minuten). Wer probiert was bis wann? Ein kurzes Protokoll hält das fest, auch für die Rückkopplung ins Seminar.
Mögliche Vorhaben Anregung
- Eine Unterrichtsreihe oder Stunde gemeinsam planen, etwa mit dem Planungsblatt nach Leisen, und in verschiedenen Lerngruppen erproben.
- Schülerarbeiten zu derselben Aufgabe gemeinsam auswerten und Rückmeldungen formulieren.
- Gegenseitige Hospitation mit einer selbst gewählten Beobachtungsfrage.
- Eine Idee aus dem Ideenpool gemeinsam erproben und auswerten.
- Kollegiale Fallberatung zu einer schwierigen Situation, nach dem Ablauf der Supervision.
- Unterrichtsbesuche oder Perspektivgespräche gemeinsam vor- und nachbereiten.
Häufiger Stolperstein
AnregungWir treffen uns und erzählen reihum, wie es gerade so läuft.
Wir nehmen uns eine Frage zum Lernen unserer Schülerinnen und Schüler vor, bringen Material mit und verabreden, was jede und jeder bis zum nächsten Treffen ausprobiert.
- Entlastend, aber ohne Arbeit an einer gemeinsamen Frage.
- Am Ende bleibt nichts Überprüfbares.
- Der Fokus liegt auf dem Lernen der Lernenden.
- Die Verabredung macht beim nächsten Treffen eine Auswertung möglich.
Im Kerncurriculum: S1 Reflexion in kollegialen Zusammenhängen · S5 Feedback und kollegiale Beratung · U7 Kooperatives Lernen gestalten.
Quellen: OVP vom 7. Januar 2026, §§ 11, 12, 16; Merkmale nach M. Bonsen und H.-G. Rolff: Professionelle Lerngemeinschaften von Lehrerinnen und Lehrern, Zeitschrift für Pädagogik 52 (2006), H. 2. Der Ablauf, die Vorhaben und die Hinweise unter den Merkmalen sind Anregungen des Kernseminars.
Die Abläufe der Nachbesprechung, der PoB-C und der Supervision sowie die Anregungen zu den Perspektivgesprächen stammen aus den Unterlagen des Kernseminars (Nachbesprechungs-Struktur 2021, Kompakttage 2022) und den Portfolio-Einlagen für den Vorbereitungsdienst (Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW, Erprobungsfassung 2013). Maßgeblich sind die Vorgaben des Landes (OVP vom 7. Januar 2026, insbesondere §§ 12 und 17; Kerncurriculum) und die Absprachen an Ihrem ZfsL. Die „Stolpersteine“ sind eigene Anregungen des Kernseminars.